Sturmkäfer – der Dampfkessel des Schreckens: Teil 1 by lordi
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Description
Als ich den „Sturmkäfer Typ 1“ zum ersten Mal sah, dachte ich, irgendwo sei ein Jahrmarkt explodiert.
Ein Fahrzeug, das aussah, als hätte jemand eine Gartenlaube gepanzert und anschließend schlechte Absichten drangeschraubt.
Wenn du morgens in eine Werkhalle kommst und da steht ein Gerät, das aussieht wie eine Kreuzung aus Kinderwagen, Dampfmaschine und mittelalterlicher Depression, weißt du: Heute wird wieder irgendwo ein Bericht geschrieben, in dem „bedauerlicherweise“ vorkommt.
Mein erster Eindruck: Es gibt Maschinen, bei denen man sofort erkennt, dass sie gefährlich sind. Kanonen zum Beispiel, oder Teekessel mit Turbolader.
Und dann gibt es das hier. Das wurde nicht gebaut. Das ist passiert. Wie Schimmel im Badezimmer oder schlechte Entscheidungen nach zu viel Eierlikör.
Offiziell: „Mobiler dampfmechanischer Vorstoßwagen mittlerer Reichweitenflexibilität.“
Übersetzt: Vier Räder, zwei davon überdimensioniert und mit Lochblechen versehen wie bei einer gotischen Kutsche Satans.
Der Ingenieur erklärte stolz:
„Zur Geländeoptimierung.“
Das Militär liebt Worte, die nach einem Plan klingen. Zumindest theoretisch. Praktisch sah das Fahrzeug aus wie ein fahrender Käsehobel mit Kriegsabsichten oder eine Küchenreibe mit Waffenlizenz.
Hinten ein Dampfkessel aus einem ausrangierten Brauereibehälter, oben ein Dach, das sich öffnen ließ, damit der Fahrer dieser Höllenmaschine frische Luft und eventuelle letzte Worte genießen kann.
Und dazwischen ein Suizidversuch aus Metall mit dem Wendekreis eines sterbenden Kontinents.
Eine Konstruktion, bei der man nicht genau sagen kann, ob sie für den Krieg gebaut wurde oder ob ein betrunkener Ingenieur einfach zu lange unbeaufsichtigt in einer Scheune eingeschlossen war.
Inoffiziell war es ein dampfbetriebenes Metallhuhn auf Rädern, gesteuert von einem Mann mit Helm, Stahlmaske vor dem Gesicht mit Sehschlitzen, durch die man vermutlich ungefähr so gut sehen konnte wie durch einen Briefkastenschlitz bei Nebel, und einem Brustpanzer, als hätte eine Tresortür den Beruf gewechselt.
Der Sinn war klar: Falls Kugeln kommen, sollte wenigstens das Gesicht erst später überrascht werden.
Und dieser eine Mann musste alles alleine machen: Fahren. Lenken. Den Dampfdruck kontrollieren. Schießen. Nachladen. Gucken, wo’s hingeht. Nicht sterben.
Das Militär nennt sowas „Mehrzweckbesatzung“.
Im normalen Leben nennt man das: „zu wenig Personal“.
Im Grunde hatte man einen Hausmeister bewaffnet und in einen Heizkessel aus Industrieabfällen gesetzt.
Der arme Kerl saß in etwas, das wie eine fahrende Küchenmaschine mit Aggressionsproblemen aussah. Vorne ragten mannshohe Stahlzacken wie Zähne eines mechanischen Vampirs heraus.
Das Militär nannte das elegant „Durchbruchsvorrichtung“, die Ingenieure euphorisch: „Optimale Wirkung gegen Feindbarrieren und moralischen Widerstand!“
In Wahrheit waren die Zacken so effektiv wie ein Einkaufswagen bei Glatteis, ein Kinderfahrrad auf der Autobahn oder ein aufblasbarer Bagger im Sandkasten – und theoretisch konnte man damit sogar einen Gartentorpfosten aufspießen. Perfekt für ein Fahrzeug, dessen einziger Sinn war: „irgendwie überall durchzufahren“.
Dann die eigentliche Präsentation. Die Kanzel schloss sich, eine halbkugelförmige Konstruktion aus Metallgitter. Der Ingenieur demonstrierte das voller Stolz:
KLACK. Runtergeklappt.
„Maximale Rundumsicht!“
Und das stimmte. Der Fahrer konnte alles sehen: den Feind, das Gelände, den Himmel, den eigenen Tod.
Schutz bot dieses Drahtding allerdings ungefähr so viel wie ein Nudelsieb bei Artilleriebeschuss. Aber theoretisch prallten vielleicht kleinere Steine ab. Oder aggressive Hühner.
Das Militär war zufrieden. Mit dieser Drahtgitterkuppel sah der Fahrer aus wie ein sehr nervöser Käfigvogel im Dienst der Nation.
Dann startete er die Maschine, die Geräusche machte, als hätte sie noch nicht entschieden, ob sie nun diesen Hamsterball aus der Hölle bewegen oder einfach explodieren wollte.
Die gesamte Halle vibrierte wie ein nervöser Pudding.
Dampf schoss aus mehreren Öffnungen gleichzeitig, von denen zwei laut Bauplan gar nicht existieren durften.
Aus dem Schornstein hinten kam schwarzer Rauch in Mengen, bei denen man meinen konnte, das Fahrzeug verbrennt innerlich seine eigene Würde.
Dann wurde es warm in der Halle. Dann heiß. Dann „man sollte kleine Tiere hier nicht vergessen“-heiß.
Draußen salutierte der General.
Der Pilot zog an einem Hebel. Der Dampfkessel hinten arbeitete tapfer genug, um das Fahrzeug zunächst langsam vorwärts rollen zu lassen. Erst zaghaft, wie ein Kind auf dem ersten Fahrrad. Dann zog der Fahrer einen weiteren Hebel – und plötzlich explodierte das Teil förmlich los, wie eine Schmitz-Katze auf Meth: Räder trommelten, Rauch quoll, die Bowlingkugel des Grauens vibrierte, Motor und Kessel schrien im Chor.
Irgendwo im Inneren klang es, als würde Besteck in einer Waschmaschine sterben.
Der General sprang zur Seite wie ein erschrockenes Reh mit Orden.
Das Fahrzeug raste übers Feld. Und ich meine: raste. Niemand hatte damit gerechnet. Am wenigsten die Maschine selbst.
→ Fortsetzung in Teil 2: Wird der Sturmkäfer die Kontrolle behalten oder das Übungsfeld in Schutt und Asche legen?

Comments (2)
Der Design erinnert ein wenig an den Tsar Tank mit diesen grossen Räder. Wieder ein unterhaltsamer Text.
Danke, illkirch Morgen dann wieder Teil 2 :D
I love it a lot my friend... Marvelous scene and composition.👍🙋♂️
Thanks, Saby55