Operation Donnerbrötchen – Der Testflug des Luftpanther II (Teil 1) by lordi
Open full image in new tab Members remain the original copyright holder in all their materials here at Renderosity. Use of any of their material inconsistent with the terms and conditions set forth is prohibited and is considered an infringement of the copyrights of the respective holders unless specially stated otherwise.
No AI - This artwork was created entirely by hand or with traditional digital tools.
Description
Also. Manchmal gibt’s ja diese Tage, an denen denkt man: Heute sterbe ich.
Und manchmal ist das okay.
Weil man vorher noch was richtig Dämliches macht.
Etwas wie zwei Männer, eine Dampfmaschine und eine mit heißer Luft gefüllte Leinenwurst in den Himmel zu schicken – wahrscheinlich ohne Rückflugticket.
Ich weiß nicht, ob da Alkohol im Spiel war oder einfach nur eine Mischung aus Größenwahn, Langeweile und einer gewissen Menge illegaler Substanzen, die einem nicht mal ein Arzt mit schwarzem Humor verschreiben würde.
Der Morgen beginnt wie bei vielen historischen Desaster: Mit Fanfaren, Applaus und einem technischen Gerät, das aussieht wie ein zu groß geratenes Altblech-Abonnement auf Kokain.
Es ist früh am Morgen.
Viel zu früh für fliegende Experimente.
Viel zu früh für Optimismus.
Und definitiv zu früh für zwei Sprengbomben am Unterbau eines geflickten Teewagen-Zeppelins aus einer anderen Realität.
Unser Zeppelin heißt stolz „Luftpanther II.“
„Luftpanther I“ wurde bereits in der Bauphase von einigen „technischen Unzulänglichkeiten“ beeinflusst.
Es heißt, man hört die Techniker, die daran gearbeitet haben, heute noch schreien. Üble Propaganda – sagt man.
Luftpanther II gilt als ein sogenanntes Patrouillenluftschiff.
Der Ausdruck „Luftschiff“ ist hier sehr optimistisch zu verstehen – das Ding sieht aus wie ein kaputtes Weinfass, das mit Schnürsenkeln an einen alten Teppich geknotet wurde.
Die Gondel besteht zur Hälfte aus Holz, zur anderen Hälfte aus Hoffnung.
Und irgendwo dazwischen ein Dampfkessel, der an eine explodierte Espressomaschine erinnert.
Ich – Leutnant Horst van der Zylinder, Testpilot durch Pech und Papierkrieg – trete in Uniform vor das Publikum, ziehe meine Fliegerbrille auf und sehe dabei aus wie ein wütender Imker mit Verschwörungstheorien.
Neben mir steht mein Co-Pilot: Feldwebel Alfred „Sturmkartoffel“ Klein.
Der Mann hat den Orientierungssinn eines frisch geborenen Maulwurfs und dessen Dampfmaschinenverständnis.
Der Kerl hatte schon in der Grundausbildung drei verschiedene Fluggeräte „unabsichtlich“ demontiert. Eines davon war ein Fahrrad.
Ich weiß bis heute nicht, wie das möglich war, aber wenn jemand es schafft, ein Fortbewegungsmittel aus zwei Rädern, einer Kette und einem Sattel zur Detonation zu bringen, dann Alfred.
Er ist nur noch im Dienst, weil er um drei Ecken mit dem General verwandt ist, aber es heißt auch, der General hasst seine Verwandten.
Sicher auch nur üble Propaganda – rede ich mir ein.
Der Auftrag lautete simpel:
„Testflug. Neue Trimmung. Prüfen auf Luftverhalten, Stabilität, Bewaffnung, Panoramaaussicht.“
Was nicht erwähnt wurde:
– Die Trimmung wurde gestern Abend bei schlechtem Licht von einem Mann vorgenommen, der eigentlich in der Kantine für die Würste zuständig ist.
– Die Bewaffnung bestand aus einem Maschinengewehr mit Ladehemmung und zwei Bomben, die irgendwie vibrierten, obwohl sie noch nicht scharf sein sollten.
„Nicht scharf“ ist übrigens eine sehr dehnbare Aussage bei Alfred.
07:45 Uhr
Der Himmel ist blau, das Gras ist grün, und unser Zeppelin steht da wie ein nervöser Elefant auf einem Trampolin: überfüllt mit Gas, leicht schwitzend und ziemlich unsicher, ob das jetzt wirklich eine gute Idee ist.
Alfred prüft zum fünften Mal die Bombenaufhängung. Ich frage nicht mehr, ob er weiß, was er da tut – ich weiß es ja schon. Er weiß es nicht.
08:00 Uhr – Startvorbereitungen
Wir betreten das Luftschiff über eine wacklige Aluminiumleiter, die im Wind klingt wie ein beleidigter Xylophonspieler. Der Zeppelin hängt friedlich über dem Feld wie ein müder Kürbis an Schnüren.
Der Techniker ruft: „Nix anfassen, was rot ist!“
Alfred nickt begeistert und legt sofort beide Hände auf einen großen roten Hebel. Ich verbanne ihn vorübergehend zum Kaffeekessel.
08:12 Uhr – Der Start
Offizieller Start. Salutschüsse.
Die Propeller ächzten wie ein altes Kettenkarussell mit Rücken.
Der Zeppelin hebt ab. Langsam. Knarrend. Wie ein alter Mann, der versucht, sich an eine Liegestütze zu erinnern.
Er neigt sich sofort bedenklich zur Seite. Grund: Alfred hat seine Thermoskanne auf der rechten Seite festgebunden. Sie enthält Eintopf. Für drei Wochen. Gewicht: ungefähr ein Pony.
Wir werfen die Thermoskanne ab. Ein Arzt sagt später, es sei ein glatter Durchbruch gewesen – durch die Latrine, durch den Major der gerade darauf saß und damit auch durch die Rangordnung.
08:24 Uhr – Feindkontakt
Erster Feindkontakt: Eine Möwe.
Sie fliegt rückwärts an uns vorbei. Vermutlich aus Verachtung.
Dann macht sie einen Looping aus reinem Spott und kackt aufs Seitenruder.
Präzision, die einem Angst macht.
Alfred notiert das als „möglicher Luftangriff.“
08:40 Uhr – Erste Flugphase
Wir erreichen etwa 150 Meter Höhe. Der Wind trägt uns sanft, der Zeppelin röchelt leise. Ich korrigiere den Kurs. Wolken. Wind. Freiheit.
Und die plötzliche Erkenntnis: Unsere Steuerung basiert auf drei Dingen: Hoffnung, einem Drahtseil und Alfreds Bauchgefühl.
Leider hat sein Bauch Hunger, und sein Gefühl sagt: Kurve nach rechts!
Wir driften Richtung Süden. Dort liegt die Garnison. Die Kantine. Und die Hauptstraße. Direkt unter uns.
Ein Hund bellt. Ein Postbote flüchtet. Eine Oma bekreuzigt sich.
Der Zeppelin hängt schräg wie eine Hängematte für psychisch labile Flughörnchen.
Cliffhanger – Ende Teil 1:
Ein Turm am Horizont.
Alfred: „Feindlicher Ausguck! Mögliches Spionagelager!“
Ich: „Das ist das Toilettenhaus vom Manöverplatz.“
Alfred: „Vielleicht ist das die Tarnung!“
Plötzlich zischt der Dampfkessel an einer Stelle bedrohlich.
Der Zeppelin schwankt. Ich klammere mich ans Steuer. Alfred grinst: „Bereit für den nächsten Test?“
Und dort hängen sie – Chaos wartet, Bomben ungetestet, Katastrophe steht kurz bevor.

Comments (2)
Tolle Geschichte. Nett illustriert
Danke schön, illkirch. Der zweite Teil kommt morgen :)
I like very much!!👍🙋♂️
Thanks, Saby55