Apokalypse now? – oder 60 Minuten bis zum Weltuntergang by lordi
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Description
Achtung: Schwarzer Humor voraus!
Diese Geschichte enthält Apokalypse, tödliche Reiter, genervte Götter und jede Menge moralisch fragwürdige Entscheidungen.
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Das allerhöchste Wesen kochte innerlich.
„Ich hab die Nase gestrichen voll!“, brüllte es wütend durch den Himmel, und es klang wie Donnerhall. „Ich habe diesem Pack da unten nur zehn Gebote gegeben – was ja nun selbst für haarlose TikTok-Affen mit Kaffeebechern und moralischer Amnesie nicht viel ist – und genau diese Gebote werden jeden Tag gebrochen. MEHRMALS! Jetzt ist Schluss. In einer Stunde leiten wir die Apokalypse ein!“
„In einer Stunde?“, fragte einer der vier Reiter und holte eine Schweinskeule aus seiner Satteltasche. „Das ist mächtig knapp – ist doch praktisch schon Essenszeit.“
„Ja, in einer Stunde passt mir auch nicht wirklich“, warf der zweite Reiter ein, der gerade seine Colts blank polierte. „Ich hab da gleich noch eine kleine Verabredung im Mittleren Osten – und ich komme ungern zu spät.“ Lässig zog er sich seinen Cowboyhut tiefer ins Gesicht.
„JA, WOLLT IHR EUCH JETZT AUCH NOCH AUFLEHNEN?!“, donnerte das oberste Wesen. „Ich sagte: In einer Stunde! Ihr habt jetzt noch genau 58 Minuten, um euch vorzubereiten!“
„Also Chef, keiner würde es wagen, sich gegen dich aufzulehnen, aber wir haben ja auch noch einiges andere zu tun, als ständig auf Abruf bereitzustehen“, beschwichtigte ihn der dritte Reiter und pustete einem Huhn ins Gesicht, das daraufhin grün anlief und schlagartig alle Federn verlor.
„Ihr sitzt hier seit Anbeginn der Zeit herum – das sollte wohl genügend Vorlaufzeit beinhalten, um euren Kram zu erledigen. Und nun keine Widerworte mehr! In 55 Minuten radiert ihr die Menschheit aus. Basta!“
„Mmph… ja… das… ist doch nicht fair“, beschwerte sich der vierte Reiter mit vollem Mund und biss erneut von seiner Keule ab.
„Ja, das ist nicht fair, Chef“, unterstützte der Cowboyhut seinen Kollegen. „Wir haben echt alle Hände voll zu tun und machen uns dabei völlig kaputt. Sieh dir nur mal den Genossen Hunger hier an. Seit Ewigkeiten muss er schon ganz Afrika das Futter wegfressen, und das kam seiner Figur nicht gerade zugute – nicht persönlich gemeint, Genosse.“
Der Hunger nickte nur verständnisvoll und biss erneut von seiner Keule ab.
„Und dann unser Freund Pest hier – der hätte wohl längst mal eine Gehaltserhöhung verdient. Sein Einfallsreichtum ist doch kaum zu übertreffen. Was hat er nicht alles erfunden? AIDS, BSE, Corona – und jetzt sogar ‚Geflügel-Schnupfen-Turbo-Plus‘, extra für Vegetarier! Der arme Kerl hatte seit der Sache mit der Sintflut keinen Urlaub mehr.“
Müde pustete Pest einem weiteren Huhn die Federn vom Leib.
„Und ich hab auch langsam die Schnauze voll. Ich war in letzter Zeit so viel im Nahen und Mittleren Osten unterwegs, dass ich den Sand kaum noch aus meinen Stiefeln bekomme. Aber am schlimmsten trifft es doch wohl immer noch Genosse Tod. Der Arme hat so viel zu tun, dass er schon seit Jahrtausenden in denselben Latschen herumläuft. Kommt ja bei seinem Arbeitspensum nie zum Einkaufen.“
Tod sagte nichts. Er hob langsam den Kopf, ließ den Blick schweifen und seufzte leise. Ein einzelnes „Memento mori“ entglitt seinen blassen Lippen.
Eine kleine Ader am Hals des allerhöchsten Wesens begann wild zu pochen.
„HIMMELHERRICH NOCHMAL! Was beschwert ihr euch denn jetzt?! Erfüllt eure Aufgabe, dann habt ihr eine ganze Weile Urlaub! Also was soll das hier?!“
„Das ist der nächste Punkt. Wenn wir die Apokalypse einleiten, dann sind wir danach arbeitslos“, brummte der Cowboyhut. „Erst lässt du uns schuften bis zum Umfallen, und dann werden wir eingespart. Diese Ausbeutermanieren sind echt nicht göttlich. So kannst du uns nicht behandeln.“
Er steckte die Colts weg und zog eine zusammengefaltete Liste hervor.
„Wenn du den Weltuntergang willst, dann fordern wir – die Reiter – eine Zusicherung unserer Arbeitsplätze mit verbesserten Bedingungen. Wir haben da schon mal zusammen drüber gesprochen und einen kleinen Forderungskatalog aufgestellt.“
Umständlich entfaltete er das zerknitterte Papier.
„Also – Punkt eins: Beim Weltuntergang müssen genug überleben, um unsere Arbeit weiterhin zu sichern.
Punkt zwei: Anstelle der Pferde wollen wir modernere Fortbewegungsmittel – z. B. eine Harley Davidson für jeden von uns.
Punkt drei: Arbeitsentlastung durch…“
„JA SPINNT IHR DENN HIER ALLE?!“ – das Gefüge des Universums erbebte leicht bei dieser Stimme. „Ich bin das allerhöchste Wesen und beschließe den WELTUNTERGANG! Das hier ist doch keine Gewerkschaftsversammlung!“
„Hey Daddy, Peace, man“, erklang ein dünnes, friedfertiges Stimmchen aus dem Hintergrund.
Das allerhöchste Wesen verdrehte genervt die Augen, als es seinen Sohn erblickte.
Wie immer trug er einen weiten Kaftan zu seinen Sandalen, hielt einen qualmenden Weihrauchkelch in der Hand und hatte ein selbstgebasteltes Peace-Amulett aus Hanfschnur um den Hals.
Mit glasigen Augen zog er in tiefen Zügen den Weihrauch ein und richtete lächelnd das Wort an seinen Vater.
„Also weißt du, Daddy, du solltest das mal alles echt nicht so überbewerten, was die Äffchen da unten so treiben. Ist doch auch irgendwie nur eine Form, gegen das Establishment zu protestieren. Bleib doch mal cool, Daddy. Was soll der Terz immer? Jeden Tag ziehst du hier dieselbe Show ab – und jedes Mal erinnere ich dich daran, dass die Äffchen MICH gekreuzigt haben und ich ihnen trotzdem nicht böse bin.“
Er nahm einen tiefen Zug aus dem Weihrauchkelch.
„Weißt du, es ist echt mal ’ne Erfahrung, so hart genagelt zu werden – und ich bleib trotzdem locker. Nun komm schon, setz dich hin, nimm einen schönen Zug Weihrauch und dröhn dir den Schädel mit etwas gregorianischer Mucke zu. Oder probier mal Meditations-Noise mit Engelschor – ist total himmlisch. Love, Weihrauch und Choräle.“
Mit diesen Worten machte er das Peace-Zeichen mit den Fingern, schnüffelte noch einmal am Weihrauchkelch und sah seinen Vater herausfordernd an.
Das allerhöchste Wesen massierte sich die Stirn. Wieder kam diese Migräne, die in Anwesenheit seines Sohnes zuverlässig auftauchte. Kopfschüttelnd drehte er sich um und dachte nach. Seit 2000 Jahren versuchte er fast täglich, die Apokalypse einzuleiten – und jeden Tag spielte sich eine ähnliche Szene ab. Hatte er eigentlich noch etwas in seinem eigenen Himmelsreich zu sagen?
„Also schön, ihr habt es mal wieder geschafft. Meine Migräne bringt mich fast um den Verstand. Wir lassen das heute mal, aber morgen – morgen gehen wir die Sache endgültig an!“
Genervt blickte er noch einmal zu seinem Sohn, der wieder grinsend am Weihrauch schnüffelte.
Eine Nanosekunde lang spielte er mit dem Gedanken an einen Vaterschaftstest – und das war für ein Wesen wie ihn eine sehr lange Zeit. Aber er würde es nicht tun. Das geziemte sich einfach nicht für ein allerhöchstes Wesen.
Erschöpft ging er davon, um seine Migräne auszukurieren.
„Aber morgen. Morgen habt ihr genau eine Stunde – dann leiten wir endlich die Apokalypse ein“, murmelte er noch.
Dann legte er sich müde auf eine Wolke und schlief ein.
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Render in DAZ. No AI

Comments (2)
Amüsante Geschichte. Befehlen ist leicht. Aber zuverlässige Mitarbeiter zu finden ist schon schwieriger. Hoffe kein Huhn wurde misshandelt während der Dreharbeiten Eine Frage bleibt offen: was trägt das oberste Wasen unter dem Kilt?
lach Danke, illkirch. Und diese letzte Frage bewegt das Universum seit dem ersten Moment, doch nie wurde sie beantwortet grins
Great images, fantastic lighting and characters 👍🙋♂️
Thanks, Saby55