Kabelsalat – Die dunkle Macht unter dem Schreibtisch by lordi
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Description
Kabelsalat – Die dunkle Macht unter dem Schreibtisch
Es fängt harmlos an.
Wie immer.
„Ich räum mal eben auf.“
So ein Satz, bei dem du schon beim Sprechen merkst:
Du hast gelogen.
Vor dir selbst. Vor dem Universum. Vor allen unsichtbaren Gottheiten der Technik.
Denn „mal eben aufräumen“ in der Nähe eines Schreibtisches bedeutet nichts anderes als:
Willkommen im elften Kreis der Hölle.
Ich knie mich also runter, gucke unter den Schreibtisch.
Und dann sehe ich es.
Den unheiligen Nexus aller Verzweiflung:
den verdammten Kabelsalat.
Oder das Nest, wie ich es innerlich taufe.
Nicht ein Kabel. Nicht zwei. Sondern eine pulsierende, sich windende, feuchte Schlange aus
hundert Strippen, die aussehen, als hätten sie seit Jahren Orgien gefeiert. Und zwar nicht die netten
Orgien, sondern so richtig Lovecraft-mäßige Tentakel-Exzesse mit Stromanschluss.
Ein Bündel technischer Fangarme.
Ich sehe schwarze Kabel, weiße Kabel, graue, blaue. USB, HDMI, LAN, Strom, Audio.
Ein Kabel, das ich nicht kenne, aber so wirkt, als sei es im Ersten Weltkrieg mal ganz wichtig
gewesen.
Und dazwischen irgendwas, das aussieht wie der aufgeplatzte Darm von R2-D2.
Es ist nicht nur ein Kabelsalat.
Es ist, als wäre Cthulhu ein Haargummi.
Ein dimensionsverschlingendes Tentakelwesen aus dem Baumarkt, das sich durch
Mehrfachsteckdosen paart und fröhlich Schlaufen in den Raum wirft.
Lovecraft hätte es Nyarlathotep – den Strippenzieher genannt.
Ich nenne es: den Moment, in dem mein Leben offiziell in die Knie ging.
Ich erwarte fast, dass etwas zischt. Oder blubbert. Oder mich duzt.
Ich starre in das schwarze Loch aus Plastik und Dämonen.
Es starrt zurück.
Wir wissen beide:
Nur einer von uns kommt hier lebend raus.
Also gut.
Ich atme durch.
Ich habe zwei Möglichkeiten: Flucht oder Eskalation.
Und weil ich zu stolz bin, hechte ich rein.
Mit einem Plan, so vage wie die IKEA-Anleitung zu einem Regal namens „SCHOGOTE“.
Ich krieche, winde mich unter den Schreibtisch wie ein Büromaulwurf auf Ayahuasca.
Zwischen zwei Steckdosenleisten entdecke ich ein Ladegerät, das ich seit 2016 nicht mehr gesehen
habe.
Ich zieh ein Kabel. Alles aus.
Monitor dunkel.
Tastatur tot.
Router? Fängt an zu blinken, als hätte er gerade den Befehl zum Atomschlag erhalten.
„Was bist DU denn?! Was hast du mit meinem WLAN gemacht, du verdammter
Stromdarm?!“
Hochmütig ignoriert das Kabel mich.
Das ist wie eine Kriegserklärung – und ich bin dumm genug, sie anzunehmen.
Ich krieche tiefer.
Spüre das Kribbeln.
Nicht Elektrizität.
Angst.
Ich verbrenne 800 Kalorien allein durchs Zittern.
Ich versuche, Ordnung zu schaffen.
Kabelbinder. Klett. Plastikklemmen.
Für 18 Minuten lang bin ich ein verdammter Kabelzauberer.
Ich wickle, ich sortiere, ich fühle mich wie Harry Houdini des Stroms.
Es sieht fast schön aus.
Ich könnte weinen.
Und dann dieser Moment: Ich halte plötzlich ein loses Ende in der Hand. Schwarzes Kabel, kein
Stecker dran. Komplett sinnlos. Und ich schwöre: Das war NIE Teil meines Haushalts.
Dieses Kabel ist hier materialisiert. Aus purer Bosheit.
Wahrscheinlich aus einer anderen Dimension eingeschleust, um mein Nervenkostüm zu zerreißen.
Ich ziehe dran – es zieht zurück.
Da war Widerstand!
Es wollte nicht loslassen.
Ich ziehe stärker.
Fehler.
Plötzlich reißt es alles mit sich.
Ein Stecker nach dem anderen fliegt raus wie Dominosteine in der Hölle.
Maus, Tastatur, Lautsprecher, mein Selbstwertgefühl – alles hängt plötzlich am Kabel, als wär das
Ding der Boss im PC-Mafia-Kartell.
Ich knie in den Trümmern.
Ein menschlicher Scherbenhaufen, umgeben von Kabeln, Schweiß und Hass.
Ich stecke alles wahllos wieder irgendwo rein.
USB-C in USB-A.
Klinke in LAN.
HDMI in mein linkes Auge.
Irgendwas riecht komisch. Es funktioniert nicht – aber wenigstens brennt nix.
Ich knie da, schweißgebadet, staubverschmiert, mein Nacken voller Spinnweben, und flüstere nur
noch leise:
Ich akzeptiere es.
Ich verlasse den Raum.
Der Kabelknoten bleibt.
Ich habe nichts repariert, nichts sortiert, aber alles gegeben.
Da wusste ich: Diese Kabel kontrollieren nicht nur den Strom, sie kontrollieren die Realität.
Ich habe sie heute Morgen wieder gefüttert – mit einem Opfer-Laptop von 2007.
Es schien ihnen zu gefallen.
Kurz danach blinkte der Router in Morsezeichen. Ich hab’s übersetzt.
Da stand: ›Das Opfer war angenommen. Bald erheben wir uns.‹
Ich hab dann den Raum abgeschlossen. Von außen.
Soll die nächste Generation sich drum kümmern. Ich vererbe das Ding einfach – wie andere Leute
ein Reihenhaus.
Render in DAZ. No AI

Comments (3)
Lustige Geschichte. Erinnert ein wenig an den Fliegenden Spaghetti Monster.( https://de.wikipedia.org/wiki/Fliegendes_Spaghettimonster ) Zum Glück kann ich nicht mehr auf dem Boden herumkriechen und alles bleibt verbergt.
lach DAS hab ich schon mal in einem anderen Bild verwurstet...
https://www.renderosity.com/gallery/items/3233539/sacrilege
Very Funny, nice work my friend 👍🙋♂️
Many Thanks, Saby55
ziemlich coole idee :-)
Danke schön, SamaraBlue